Schlechte Gene und böser Wille

9. September 2010 at 1:07 nachmittags 1 Kommentar

Anlässlich der Verbreitung des menschenverachtenden Unfugs eines gewissen Herrn Sarrazin: Diese „Debatte um die schlechten Gene und den bösen Willen ökonomisch schwacher (also armer und politisch wenig handlungsfähiger)– Gruppen (eignet sich) ganz ausgezeichnet dazu, von einer ernsthaften Debatte über die Ursachen der gegenwärtigen Krisenkonstellation und über Strategien zu ihrer Überwindung abzulenken“, meint der Philosoph Frieder Otto Wolf (wissenrockt). Das „zynische Spiel der Oberklasse“ lenkt also bestens ab vom „unsozialen `Sparpaket` und von den Schmarotzern auf den Finanzmärkten, deren soziale Integration schon längst abhanden gekommen ist“ (NachDenkSeiten).

Zudem sieht der Journalist Robert Misik darin einen „rassistischen Diskurs“ in der Bildungsdebatte, denn: „Wenn die neuen Unterschichten unten bleiben, weil der niedrige Status der Eltern auf die Kinder übergeht, dann ist das kein sozial- und bildungspolitischer Skandal – sondern nach Sarrazin logische Folge des Umstandes, dass sich die Dummen herausnehmen, ihre bescheidene Intelligenz zu vererben. Daraus folgt natürlich, dass alle Versuche, durch Bildungsreformen und pädagogische Anstrengungen die Chancen dieser Chancenlosen zu erhöhen, von vornherein aussichtslos sind.“ „Bestimmte Gruppen von Menschen, die `Unterschicht`, so wie er (Anm. Sarrazin) sie definiert, die `muslimischen Migranten` oder auch die `Anhänger des Islam` generell für strukturell unfähig (zu halten), am demokratischen Diskurs unserer Gesellschaft teilzunehmen und … nur noch über sie und nicht mehr mit ihnen zu reden“, kritisiert Wolf. Das verletzt ein „grundlegendes Prinzip des modernen Humanismus“, Menschen nicht als bloße Dinge zu behandeln, „sondern sie immer einzubeziehen und sie als eigenständige Subjekte, wo immer möglich auf gleicher Augenhöhe, zu behandeln“. Im „gesellschaftlichen Echo-Raum für die kalte Menschenfeindlichkeit“ (Misik), die die Thesen des Herrn Sarrazin zum Ausdruck bringen, liegt deren hohe mediale Beachtung und öffentliche Unterstützung begründet. (Misik: TAZ und Wolf: wissenrockt)

Abwertende oder feindselige Mentalitäten entstehen auch durch ökonomisch erzeugte „Ungleichheit“, die in eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ umgewandelt wird, schlussfolgert der Konflikt- und Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer aus Studienergebnissen. Ihn beunruhigt, dass das „ökonomistische Denken“ (Anm: „das Eindringen von Kalkülen der Marktwirtschaft in die Gesellschaft“) offenbar den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährde. Denn bei sinkender Soziallage nehmen die Ressentiments gegenüber Langzeitarbeitslosen kontinuierlich zu. Das Bedürfnis wachse, „sich von Personen am unteren Rand der Sozialhierarchie abzugrenzen, indem man diesen eine negativere Arbeitshaltung zuschreibt, als sich selbst.“ (Tagesspiegel)

Bei der „Zuwanderungspolitik“ geht es (Anm.: auch in Österreich) „nicht um Menschen, sondern ausschließlich um das Anheuern von Arbeitskräften, die man dann wie Leiharbeiter nach Qualifikation, Alter oder je nach der konjunkturellen Entwicklung wieder vor die Fabriktore oder bei Zuwanderern eben wieder vor die Landesgrenze setzen kann. Hauptsache, die Wirtschaft kann ihren Bedarf an jeweils passenden Arbeitsplätzen befriedigen, die `Aufräumarbeiten` darf dann die Politik erledigen, und die menschlichen Schicksale spielen ohnehin keine Rolle.“ (NachDenkSeiten)

Zuletzt zum Unfug über Genetisches:
der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin stellt fest: (genetische) „Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen sagen nichts anderes aus, als dass diese eine Zeit lang in unterschiedlichen Regionen gelebt haben. … es gibt tatsächlich einige wenige funktionale Genregionen, in denen Menschengruppen sich unterscheiden. Ganz offensichtlich gehören dazu die Gene, die die Hautfarbe bestimmen. Sie sind als lokale Adaptationen entstanden, aus der Balance zwischen Schutz vor UV-Strahlen und der Notwendigkeit über eine Lichtreaktion Vitamin D in der Haut zu erzeugen. Ein weiteres prominentes Beispiel ist eine bei Westeuropäern sehr häufige Genvariante, die es Erwachsenen erlaubt Milchzucker zu verdauen. Dies ist evolutionsbiologisch eine genetische Anpassung an die kulturelle Errungenschaft der Milchverarbeitung (am häufigsten ist diese Genvariante in Holland). Es ist daher davon auszugehen, dass jede Volksgruppe grundsätzlich das gleiche genetische Potential für Intelligenzleistungen hat. Intelligenz wird von vielen Genregionen beeinflusst, die in jedem Individuum neu zusammengewürfelt werden. Das kann zu großen Unterschieden innerhalb einer Gruppe führen, wirkt aber gleichzeitig im Vergleich zwischen Gruppen wie ein Puffer. Wissenschaftlich formuliert: die Varianz innerhalb der Gruppe übersteigt die Unterschiede zwischen Gruppen bei weitem“ (idw)

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spendable Reiche Arbeitspflicht und Ahnungslosigkeit

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