Erst kommt das Fressen ….
14. Oktober 2010 at 12:43 nachmittags Christian Buchinger 1 Kommentar
dann kommt die Moral. Dieses zitat von Bert Brecht aus der Dreigroschenoper lautet in der “Ballade über die Frage: Wovon lebt der Mensch” vollständig:
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muß es möglich sein, auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden
Diese Geschichte auf die Gegenwart zu übertragen ist nicht besonders schwer: in der E+E liegt die Verpflegung der MitarbeiterInnen im Argen: Mehrere Anläufe haben wir schon gestartet, um der jahrzehntelang eintrainierten Jausenkultur den Garaus zu machen: Fertiggerichte via Gourmet war die erste Initiative des Betriebsrates von über 15 Jahre, gefolgt von einer von der Firma bezahlten Teilzeitkraft, die in einer kleinen Küche einfache (aber gute) Mahlzeiten für die MitarbeiterInnen zubereiten konnte (und das konnte sie gut). Dann folgten Jahre der geholten oder durch den Bäcker gelieferten Jause, bis vor einigen Jahren der Betriebsrat einen neuerlichen Anlauf tätigte: mehrere Gasthäuser und Kantinenverpfleger wurden angeschrieben, ob sie nicht Essen an die MA der E+E liefern wollen. Der Best (und Billigst)bieter war das GH Fischill in Katsdorf, und seiter können die MA aus 2 Menues auswählen. Aber sowohl die Quantität der Bestellungen als auch die Qualität der Lieferungen nahmen ab, sodass wir vor der Entscheidung standen, alles retour an den Start und neubeginnen oder überhaupt das Handtuch zu werfen: E+E Kultur bleibe halt auf Ewig eine Jausenkultur.
Wir haben uns entschieden, es weiter zu versuchen: die Geschäftsleitung ist bereit, diesen Kampf mit aufzunehmen. Derzeit entwickeln wir ein neues Konzept, wie es weitergehen kann. Das Ergebnis werden wir noch im heurigen Jahr präsentieren können. Soviel scheint schon mal verraten werden zu können: Die Geschichte wird sich wiederholen – aber weder als Tragödie noch als Farce, sondern als Weiterentwicklung von schon gehabtem: einer/s teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter/s/in, die sämtliche administrativen Aufgaben übernehmen wird, aber im Gegensatz zu vergangenem Versuch nicht selbst den Kochlöffel schwingen wird.
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1.
Disi | 15. Oktober 2010 um 6:20 vormittags
Der Beitrag ist ja schon fast philosophisch!